EIN BLICK ZURÜCK
GARCHINGS ÄLTESTE BÜRGERINITIATIVE

Erste Regelungen und vorbereitende Maßnahmen für den Brandschutz
Bereits das Gemeindeedikt von 1818 schrieb den Gemeinden die Verantwortung für das Feuerlöschwesen als Pflichtaufgabe zu und erlaubte es dem Gemeindevorsteher, Bürger zum Dienst und zur Bereithaltung einfacher Löschgeräte heranzuziehen. In Garching wurden so schon vor der Gründung einer organisierten Feuerwehr erste Geräte beschafft und Strukturen vorbereitet. 1826 folgte in Bayern ein Gesetz zum Feuerschutz, das alle Männer zwischen 18 und 60 Jahren zu Feuerlöschdiensten verpflichtete. Aus dieser Entwicklung erklärt sich, warum die Gemeinde Garching bereits 1861 eine Feuerspritze der Firma Kübel aus Bayreuth für 560 Gulden erwarb. 1868 rief König Ludwig II. mit einer Verordnung zur Gründung von Feuerwehrvereinen auf, führte eine einheitliche Ausbildung ein und es entstand der Bayerische Landesfeuerwehrverband – der Boden für die spätere Vereinsgründung in Garching war damit bereitet.
Gründung der Freiwilligen Feuerwehr und frühe Vereinsjahre
Zum 1. Januar 1873 ist erstmals eine Feuerwehrorganisation auf Vereinsbasis in Garching belegt: Pfarrer Georg Heinrich fungierte als Vorstand, der Krämer Josef Hagn als Kommandant, der Ökonom Johann Münch als Kassier und der Lehrer Paul Wanzinger als Schriftführer; insgesamt 79 Männer traten der Wehr bei – bei nur 503 Einwohnern ein beeindruckender Anteil. Bereits 1874 fand eine große Inspektion des Bezirksamtes statt, bei der Mannschaft und Gerät geprüft wurden; im Bestand waren damals unter anderem eine vierrädrige Löschmaschine, eine Tragspritze, zahlreiche Eimer, Leitern und Feuerhaken. Die anfängliche Begeisterung ebbte jedoch ab: 1878 wurden nur noch 24 Feuerwehrangehörige registriert, und die Gemeinde sah sich gezwungen, wieder stärker auf Pflichtfeuerwehrstrukturen zu setzen.
Trotz dieser Schwankungen zeigte die Wehr früh ihr regionales Gewicht. 1880 richtete sie den 16. Bezirksfeuerwehrtag in der Gastwirtschaft „Zur Post“ aus und bewährte sich organisatorisch wie bei Übungen an umliegenden Gehöften als Angriffsobjekte. Historische Brandberichte aus dem Jahr 1881 schildern schnelle Einsätze bei Bränden und auch Brandstiftung im Ort. Gleichzeitig kümmerte sich die Gemeinde um das leibliche Wohl der Einsatzkräfte und stellte 1894 beim Bezirksamt das Gesuch, Erfrischungsmarken für die Feuerwehrmänner zu finanzieren. Bis 1913/14 war das Ansehen der Feuerwehren in Bayern deutlich gewachsen; landesweit waren zu dieser Zeit bereits Hunderttausende Männer im Feuerwehrdienst aktiv, was auch den Stellenwert der Garchinger Wehr widerspiegelt.



Weltkriege, Zwangsstrukturen und Einsätze in Kriegszeiten

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 änderte sich die Situation dramatisch. Viele aktive Feuerwehrmänner wurden eingezogen, Not und Hunger prägten den Alltag, und das Interesse am Feuerwehrdienst sank stark. In dieser Zeit wurde die Mithilfe weiblicher Kräfte für Sicherheits- und Hilfsdienste offiziell gefordert, um den Personalmangel abzufedern. Nach Kriegsende lag das Vereinsleben am Boden: 1921 und 1922 musste erneut eine Pflichtfeuerwehr mit einjähriger Zugehörigkeit eingerichtet werden, um den Brandschutz in Garching überhaupt sicherzustellen.
Auch die Rahmenbedingungen im Ort waren schwierig. 1916 wurde das Gemeinde- und Feuerwehrhaus durch einen Blitzschlag zerstört, konnte aber bis 1917 wiederaufgebaut und mit zusätzlichen Wohnungen versehen werden. In den 1930er Jahren drohte erneut die Einführung einer Pflichtfeuerwehr, die jedoch durch eine reichsweite Neuorganisation abgelöst wurde: 1938 wurden die Feuerwehren in die Ordnungspolizei eingegliedert und als technische Hilfspolizei dem Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei unterstellt. Juden und andere „Nichtarier“ waren von der Mitarbeit ausgeschlossen, Fahrzeuge wurden – soweit vorhanden – in Polizei-Farben lackiert, und es galt zeitweise sogar die SS-Gerichtsbarkeit, bei der unerlaubtes Entfernen von der Brandstelle als Fahnenflucht gewertet werden konnte. Die Feuerwehr Garching war gegen Ende des Zweiten Weltkriegs etwa zehnmal bei Bränden nach Fliegerangriffen in München im Einsatz; bei einem Angriff wurde das Anwesen des damaligen Kommandanten Utz getroffen, wobei das Wohnhaus teilweise zerstört wurde und ein Großteil der schriftlichen Unterlagen der Feuerwehr verloren ging.

Wiederaufbau, Ausbau der Gerätehäuser und technische Modernisierung
Nach 1945 dauerte es einige Jahre, bis das Feuerwehrwesen in Garching wieder Fuß fasste. 1947 beschloss eine Gemeindeversammlung, dass jeder Hausbesitzer einen Mann zur Freiwilligen Feuerwehr entsenden sollte, doch die Resonanz blieb verhalten. Anfang 1949 sah sich der Gemeinderat daher erneut gezwungen, eine Pflichtfeuerwehr anzuordnen, um die notwendige Mannschaftsstärke zu erreichen. Parallel dazu wurde die Infrastruktur schrittweise verbessert: Wasserleitungen wurden saniert, Hydranten gesetzt und ein Löschwasserkanal vom Schleißheimer Kanal bis in die Ortsmitte gebaut, an dem die örtlichen Bauern maßgeblich mitarbeiteten.
Auch die Unterbringung der Feuerwehr entwickelte sich weiter. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts war das alte Schulhaus in ein Feuerwehr-Requisitenhaus umgebaut worden; nach dem Blitzschlag von 1916 wurde das Gemeinde- und Feuerwehrhaus wiederaufgebaut und blieb bis in die 1970er-Jahre der zentrale Standort. 1954 ergänzte ein Schlauchtrockenturm das Gebäude, doch mit der Beschaffung größerer Fahrzeuge stieß das Haus zunehmend an seine Grenzen. Gleichzeitig begann die Motorisierung der Einsatztechnik: 1957 erhielt die Feuerwehr mit dem „Opel Blitz“ ihr erstes motorisiertes Löschfahrzeug, um den gestiegenen Anforderungen durch das neue Forschungszentrum mit Atomreaktor gerecht zu werden. 1967 folgte das erste Tanklöschfahrzeug TLF 16 mit 2.500 Litern Wasser, das gerade bei Fahrzeugbränden und auf der Autobahn neue Einsatzmöglichkeiten eröffnete. In diese Phase fallen auch erste Überlegungen und Planungen für ein modernes, den wachsenden Aufgaben entsprechendes Feuerwehrgerätehaus.



Neues Gerätehaus, wachsender Fuhrpark und Spezialisierung der Technik
Zum 100-jährigen Jubiläum der Feuerwehr 1973 konnte ein entscheidender Meilenstein gefeiert werden: die Übergabe des neuen Feuerwehrgerätehauses am Hüterweg. Das Gebäude bot Platz für fünf Großfahrzeuge, eine Fahrzeugpflegehalle, Schlauchwasch- und Trockenanlage im Keller sowie Werkstätten, Funk-, Umkleide-, Bekleidungs- und Schulungsräume und ersetzte damit das beengte historische Haus im Ortskern. Im Keller richteten die Mitglieder in Eigenleistung ein gemütliches Stüberl mit Kegelbahn ein, das sich zu einem wichtigen Ort des Vereinslebens entwickelte. Mit dem neuen Haus waren Ausbildung, Einsatzvorbereitung und Kameradschaft deutlich besser unter einem Dach vereint.
Parallel wuchs der Fuhrpark und die technische Spezialisierung. 1972 war bereits gemeinsam mit Ismaning und Unterföhring eine Drehleiter beschafft worden, die zunächst bei der Berufsfeuerwehr München, später bei der Feuerwehr Ismaning stationiert war. 1977 kam ein Rüstwagen mit umfangreicher technischer Ausstattung hinzu, 1981 ein weiteres Löschgruppenfahrzeug. In den 1970er Jahren erhielt Garching zudem einen der ersten Rettungsspreizer im Landkreis München, um bei Verkehrsunfällen verunfallte Personen effizient befreien zu können. Die Alarmierungstechnik entwickelte sich ebenfalls deutlich: 1972 wurde im alten Gerätehaus das erste Funkgerät installiert – ermöglicht durch die Olympischen Spiele und die Wettkämpfe in Hochbrück – und schuf die Grundlage für eine moderne Einsatzkommunikation. 1982 erleichterte die Umrüstung von Telefonzellen auf münzfreien Notruf zusätzlich die Alarmierung der Wehr.



Erweiterungen, moderne Alarmierung, Neubaupläne und Verbandsarbeit

Ab Mitte der 1990er Jahre prägten weitere Professionalisierung und Verbandsarbeit die Feuerwehr Garching. 1994 wurde erstmals die neue Leistungsprüfung „Technische Hilfeleistung“ abgelegt, an der neben der Mannschaft auch alle Führungsdienstgrade bis hin zum Kreisbrandrat teilnahmen. In den 1990er Jahren wurde das Gerätehaus am Hüterweg erweitert, und 2004 kam eine interne Einsatzzentrale hinzu, die die Koordination der Einsätze deutlich verbesserte. Die Alarmierungs- und Funktechnik wurde fortlaufend modernisiert, bis der Landkreis München 2014 flächendeckend auf Digitalfunk umstellte. Mit dem Wachstum Garchings und des Forschungszentrums stiegen auch die Anforderungen weiter, etwa durch den Aufbau des First-Responder-Systems.
Wesentliche Impulse kamen von engagierten Führungspersönlichkeiten. Adolf Fritz, seit 1966 Kommandant in Garching, wurde 1975 Kreisbrandmeister, später Kreisbrandinspektor und 1992 Kreisbrandrat und war maßgeblich am Aufbau des Kreisfeuerwehrverbandes München beteiligt. Sein Nachfolger als Kommandant, Prof. Dr. Heinz-Gerd Hegering, übernahm 1989 die Führung der Wehr und setzte die Modernisierung von Haus, Fuhrpark und Strukturen fort. Gleichzeitig pflegte die Feuerwehr ihre Traditionen und ihren Zusammenhalt, etwa durch das seit 1997 erscheinende interne „Garchinger Löschblatt´l“ für Aktive und „Alte Herren“. Heute steht die Feuerwehr Garching vor dem nächsten großen Schritt: Nach rund 50 Jahren ist das Gerätehaus am Hüterweg zu klein geworden, sodass die Stadt einen modernen Neubau auf einem Grundstück an der alten B471 baut– ein weiterer Abschnitt in der langen Geschichte der Garchinger Feuerwehr.

KOMMANDANTEN
1873-1875 Josef Hagn
1875-1879 Josef Bauer
1879-1884 Kaspar Kratzer sen.
1884-1891 Joseph Angermair
1891-1910 Kaspar Kratzer sen.
1910-1914 Kaspar Kratzer jun.
1914-1918 Josef Hagn
1918-1920 Andreas Rieger
1920-1938 Johann Schönberger
1938-1940 Franz Wicklmayr sen.
1940-1942 Ludwig Grünwald
1942-1945 August Utz
1945-1949 Heinrich Popp
1949-1960 Franz Wicklmayr sen.
1960-1962 Rupert Angermair
1962-1965 Josef Vötter
1966-1988 Adolf Fritz
1989-2000 Prof. Dr. H.-G. Hegering
2001-2006 Manfred Scharl
2007-2024 Christian Schweiger
2025-jetzt Dominik Eberle
Ehrenkommandanten:
Adolf Fritz
Prof. Dr. H.-G. Hegering
Christian Schweiger
VORSTÄNDE
1873-1875 Georg Heinrich
1875-1880 Balthasar Hanrieder
1880-1885 stephan Scharl
1885-1889 Josef Hagn
1889-1891 August Kellerer
1891-1893 August Bichlmeir
1894-1910 unbekannt
1911-1919 Josef Wagner
1919-1932 Josef Hagn
1932-1950 Ludwig Schredl
1950-1952 Josef Hicker
1962-1988 Eduard Sondermayer
1988-2012 Johann Schweiger
2012-heute Johannes Kick
Ehrenvorstand
Johann Schweiger

EIN HIGHLIGHT ZUM STADTJUBILÄUM
LICHTPROJEKT - 1100 JAHRE GARCHING

Aus der Grundidee des quadratischen Punktes im offiziellen Logo der Stadt Garching entwickelte der Lichtgestalter Raffael Pollack gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Garching leuchtende Skulpturen. Im Festjahr der 1100-Jahrfeier der Stadt Garching 2015 wurden über 50 Lichtwürfel in unterschiedlichen Installationen aufgebaut und waren somit das Leuchtturmprojekt durch das gesamte Festjahr. Zur offiziellen Auftaktveranstaltung wurde ein Kubus mit 52 Würfeln aufgebaut und war mit einer eindrucksvollen Lichtshow und Feuerwerk der Höhepunkt des Abends.
Es folgten weitere Installationen: der Lichtbalken über der Fahrzeughalle am Gerätehaus, eine stehende “1100” in den Garchinger Stadtfarben am Festplatz, eine Stele im Park am Maibaum und zum Abschluss der Adventskalender am Rathausplatz.





